“Im Prinzip ist das kein Problem, aus dem Knast auszubrechen!”

Veröffentlicht in VICE.

Detlef Kowalewski ist einer, der die Welt gesehen hat. In den 80er Jahren hat er sich als Straßenmusiker in London durchgeschlagen, mit einem Touristenenvisum zwei Jahre als Tätowierer in New York gearbeitet und sich in der High Society des kleinen Inselstaats Malta herumgetrieben. Mit seiner Heavy Metal-Band “High ‘n Dry” tourte er durch Europa, spielte im Vorprogramm von Iron Maiden und feierte Erfolge. In Köln brachte Detlef Kowalewski es Ende der 80er Jahre zum erfolgreichen Geschäftsmann: Er mietete ein paar große Hallen, vermietete sie als Proberäume an andere Bands, richtete einen Club ein und ein Fitnessstudio. “Da waren die Geissens früher beide Mitglied”, erzählt er heute. “Unser eigener Luxus-Proberaum war so beliebt, dass der auch immer vermietet war. Da waren Accept drin, Howard Carpendale, Iron Maiden. Auch Bon Jovi und Kiss hatten sich angemeldet”, erinnert er sich. 

 Bon Jovi und Kiss mussten sich dann aber andere Proberäume suchen: Als auf einmal ein SEK in Detlef Kowalewskis Schlafzimmer stand um ihn festzunehmen, war seine Karriere als Musiker und Geschäftsmann beendet. Der Vorwurf: Kokain-Handel im großen Stil. Während sein Geschäftspartner das Unternehmen vor die Wand fährt, schmiedet Detlef Kowalewski in der JVA Ossendorf Ausbruchspläne. Auf den erfolgreichen Ausbruch folgt die Flucht nach Holland, eine weitere Verhaftung, ein erneuter Ausbruch aus dem Knast. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern segelt er nach Brasilien, wird von einem Drogenkartell erpresst, beim Kokain-Schmuggel erwischt und erlebt in der korrupten Gefängniswelt Rio de Janeiros die Hölle auf Erden. 

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Mit rechtsextremen Symbolen und Schlägereien für den Frieden

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Der Kölner Ebertplatz ist am Sonntag rot eingefärbt. Bis zu 500 türkische Demonstranten haben sich hier versammelt. Viele von ihnen haben entweder die türkische Nationalfahne um ihre Schultern gehängt, oder schwenken Fahnen mit den Symbolen der rechtsextremen „Grauen Wölfe". Einige stehen um eine riesige Türkeifahne versammelt, die sie immer wieder hoch fliegen lassen. „Märtyrer sind unsterblich—Das Vaterland ist unteilbar" rufen sie dabei auf Türkisch. Und: „Allahu Akbar"—„Gott ist Groß". 

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Der Mad Max des Münsterlands

Veröffentlicht in MOTHERBOARD.

Was haben Kondensatoren aus einem sowjetischen Atom-U-Boot, Krankenhaus-Laser und Längsregler-Röhren aus einem Bundeswehr-Transportflugzeug gemeinsam? Sie alle werden in einer unscheinbaren Werkstatt im Münsterland von dem virtuosen Hochspannungsbastler Jochen Wankmiller verarbeitet und in einzigartige, selbstentwickelt Gadgets zwischen Low-Tech-Science Fiction, Ingenieurskunst und Recycling-Geniestreich verbaut. 

 Aufmerksam geworden sind wir auf Jochen, als wir seine selbstgebaute Mikrowellenkanone auf YouTube entdeckten. Nach ein paar Telefonaten war klar, dass Jochen in Sachen Hochspannungselektronik einer der kreativsten DIY-Bastler Deutschlands ist. Was der 47-Jährige jenseits von den Entwicklungen auf seiner Website noch in Petto hat, und wie er bei sich Zuhause arbeitet, das will ich mir bei einem Werkstattbesuch aus der Nähe anschauen.

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Sonderlager für Balkan-Flüchtlinge gibt es jetzt auch in Nordrhein-Westfalen

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Obwohl sie im Behördensprech „Ankunfts- und Rückführungseinrichtungen" heißen, werden die beiden Sammelzentren für Balkan-Flüchtlinge in Bayern im Alltag treffender „Abschiebelager" genannt. Das scheint die bayerischen Behörden aber nicht zu stören, im Gegenteil: Die CSU will ja den Eindruck erwecken, dass man die Sozialschmarotzer vom Balkan geradezu gnadenlos wieder in die Heimat schickt. Denn wer hier nur arbeiten will, weil er in seinem bettelarmen Heimatland nicht über die Runden kommt, der hat unser Mitleid nicht verdient. 

 In Nordrhein-Westfalen ist man da deutlich diskreter. Die Politiker hier lehnen das „bayerische Modell" zwar öffentlich ab—aber suchen trotzdem nach Möglichkeiten, Balkan-Flüchtlinge möglichst schnell und ohne mediales Aufsehen wieder loszuwerden. Das Ergebnis: De facto gibt es auch in Nordrhein-Westfalen Flüchtlingsunterkünfte, in denen vor allem Asylbewerber konzentriert werden, deren Anträge wenig Aussicht auf Erfolg haben. 

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Ich wurde von der Bundeswehr ausgeraubt, entführt und erschossen

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„Waffe!", ruft meine Teamkollegin, als wir mit unserer Attrappen-Ausrüstung aus Holz gerade unser Interview mit dem Bürgermeister des Dorfes Bonnland beginnen wollen. Auf der anderen Straßenseite steht ein Vermummter mit einem Sturmgewehr. Noch bevor er das Feuer eröffnet, springen wir in den Deckung versprechenden Hauseingang neben uns. Draußen ertönt das laute Schnellfeuer der Kriegswaffe: Vermutlich die allseits beliebte Kalaschnikow. Obwohl alles nur ein gespieltes Szenario ist, stehen wir direkt unter Strom: Was tun wir? Versuchen wir zu flüchten? Bleiben wir weiter hinter den dicken Wänden versteckt, die zumindest ein kleines bisschen Sicherheit versprechen? 

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Flüchtlinge empfangen und Neonazis verjagen – Dortmund hat es am Wochenende vorgemacht

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In Dortmund sind am Sonntag mehr als 2.000 Flüchtlinge angekommen. Mehrere hundert freiwillige Helfer haben den Dortmunder Hauptbahnhof deshalb in der Samstagnacht spontan zu einer Spendenannahmestelle umfunktioniert und gezeigt, dass „Willkommenskultur" mehr als eine hohle Phrase sein kann. Da Dortmund allerdings Dortmund ist, haben etwa 25 Neonazis versucht, das zu stören, und gegen Flüchtlinge demonstriert. Die Polizei hat versucht, die Rechten von den Flüchtlingsunterstützern zu trennen, und dabei kläglich versagt. Ein Bericht über ein bemerkenswertes Wochenende. 

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Wir haben einen Experten gefragt, was die hohen Flüchtlingszahlen für Deutschland bedeuten

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Der kurze Spätsommer der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge scheint zumindest auf der Ebene der Bundespolitik vorbei zu sein. Nachdem alle für eine Weile betont haben, wie toll Deutschland den Flüchtlingen hilft, denkt man in Berlin nun darüber nach, wie man Flüchtlingen die Leistungen streichen kann. CSU-Politiker sympathisieren offen mit Viktor Orban und seinem Zaun an der Ungarisch-Serbischen Grenze. Dabei muss die hohe Zahl an Flüchtlingen gar kein Problem für Deutschland sein – wenn die Politik richtig handelt. Das sagt zumindest Aladin El-Mafaalani, Professor für Politikwissenschaft, Politische Soziologie und Politische Bildung an der Fachhochschule Münster. 

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Sie heulen wieder: Die gewaltbereiten „Grauen Wölfe“

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„Diyarbakir" schallt es durch die Lautsprecher. „Burada [Hier]!", rufen die Demonstranten mit in die Luft gestreckter Faust zurück. „Ankara—Burada! Türkiye—Burada! Burada! Burada!" 

 Mehr als 2.000 Teilnehmer hatten sich auf Facebook angekündigt. Auf dem Roncalliplatz hinterm Kölner Dom stehen aber kaum mehr als 500 im strömenden Regen. Fast jeder hier hat eine Türkeifahne in der Hand, um die Schultern gehängt oder ins Gesicht gemalt. Auch aus Redebeiträgen und Liedern schallen Nationalstolz und viel Pathos. 

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Flüchtlinge empfangen und Neonazis verjagen – Dortmund hat es am Wochenende vorgemacht

Veröffentlicht in VICE.

In Dortmund sind am Sonntag mehr als 2.000 Flüchtlinge angekommen. Mehrere hundert freiwillige Helfer haben den Dortmunder Hauptbahnhof deshalb in der Samstagnacht spontan zu einer Spendenannahmestelle umfunktioniert und gezeigt, dass „Willkommenskultur" mehr als eine hohle Phrase sein kann. Da Dortmund allerdings Dortmund ist, haben etwa 25 Neonazis versucht, das zu stören, und gegen Flüchtlinge demonstriert. Die Polizei hat versucht, die Rechten von den Flüchtlingsunterstützern zu trennen, und dabei kläglich versagt. Ein Bericht über ein bemerkenswertes Wochenende. 

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Zu doof zum Zündeln: Die Aachener "Karlsbande"

Veröffentlicht in VICE SPORTS.

14 Uhr, Rote Erde. Im Schatten des Westfalenstadions beginnt das Viertliga-Spiel der Dortmunder Amateure gegen Alemannia Aachen. Schon kurz nach Anpfiff muss die Partie jedoch unterbrochen werden: Aus dem Gästeblock steigt erst Rauch auf, dann brennen einige Bengalos. Auf einmal explodiert ein „Polenböller" auf dem Spielfeld. Auch mehrere Bengalos werden in die Richtung geworfen. Für die freundliche Bitte des Stadionsprechers, das Abbrennen von Pyrotechnik doch zu unterlassen, interessiert sich keiner der Aachener Ultras. Die hören erst auf zu zündeln, als ihnen schreiend klar gemacht wird, was sie da gerade noch angesteckt haben: Als die meisten der Bengalos längst ausgebrannt sind, kokelt es es unten am Zaun munter weiter. Eine Zaunfahne mit der Aufschrift „You'll never walk alone" wird von Ordnern und Fanbetreuern gelöscht und runtergerissen. Beobachter der Fanszene erzählen später, diese Fahne habe bereits seit den 90er Jahren im Aachener Fanblock gehangen. 

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„Wir wurden von Nazis durch die Stadt gejagt"

Veröffentlicht in ze.tt.

Am Wochenende hat sich Sachsen von seiner hässlichsten Seite gezeigt. Zwei Nächte in Folge hat ein rechter Mob vor einer Flüchtlingsunterkunft in Heidenau randaliert und sich Straßenschlachten mit der hoffnungslos überforderten Polizei geliefert. 

Am Samstagabend haben sich mehr als 200 linke Flüchtlingsunterstützer diesem Mob in den Weg gestellt. Viele dieser Flüchtlingsunterstützer waren spontan aus verschiedenen Teilen Deutschlands nach Heidenau gekommen. Wir haben einen Antifa-Aktivisten und eine Aktivistin aus Dortmund gefragt, was sie dort erlebt haben. Weil die beiden aus Angst vor rechter Gewalt anonym bleiben wollen, haben wir ihre Namen geändert.

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„Die PKK gehört zu uns“

Veröffentlicht in VICE.

Am Samstag haben mehr als 6000 Menschen in Köln gegen die Angriffe des türkischen Militärs auf die PKK demonstriert. Die meisten von ihnen waren Kurden aus ganz Deutschland. Wir haben uns mit ein paar jungen Deutsch-Kurden getroffen und sie gefragt, warum ihnen die Heimat ihrer Eltern so wichtig ist.  

Einen Tag vor der Demo treffe ich mich in einem kurdischen Verein in Dortmund mit Barış. Der Name ist türkisch und bedeutet Frieden. Er ist außerdem nur ein Pseudonym. Barış will wie viele andere junge Kurden seinen Namen und sein Gesicht nicht veröffentlicht sehen. Zu sehr schwebt der Schatten des PKK-Verbots über ihnen. Kaum eine kurdische Demonstration kommt ohne PKK-Sprechchöre aus und die Sympathien in der kurdischen Gemeinschaft sind klar verteilt. 

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Wir waren dabei, als die AfD sich selbst das Gehirn amputiert hat

Veröffentlicht in VICE

Über 30 Grad und strahlende Hitze schon um kurz vor zehn morgens. Vor der Essener Gruga-Halle stehen hunderte schwitzende Menschen (vor allem Männer) in langen Hosen und Hemden. Der Altersschnitt ist gefühlt knapp über dem Renteneintrittsalter. Die lange Schlange wartet darauf, an den Einlasskontrollen vorbei zum Bundesparteitag der „Alternative für Deutschland“ zu kommen. Aus etwas Entfernung schallt ihnen Reggae-Musik von der kleinen linken Gegenkundgebung entgegen.

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Wir haben junge Istanbuler gefragt, ob in der Türkei jetzt alles besser wird

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Seit der Veröffentlichung der Wahlergebnisse sind Kurden, linke Türken und LGBT-Aktivisten gradezu aus dem Häuschen. Erdoğans AKP hat die Mehrheit verloren und eine Partei die sie unterstützen sitzt zum ersten mal im Parlament. Wir haben in Istanbul mit jungen Türken gesprochen, die seit Sonntagabend am feiern sind - noch. Denn am Horizont zeichnet sich jetzt schon eine große Enttäuschung ab. 

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Ich habe mit glücklichen Erdogan-Gegnern in Istanbul das Wahlergebnis gefeiert

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Die gestrige Parlamentswahl war die wichtigste Wahl in der Türkei seit langem. Es ging nicht nur um die Mehrheit im Parlament, sondern auch um eine von Präsident Erdogan geplante Verfassungsänderung, die ihm zu neuer Macht verholfen hätte. Die Hoffnungen vieler oppositioneller Türken, dass ein Einzug der pro-kurdischen HDP ins Parlament das verhindern könnte, wurden gestern erfüllt. Vor allem im kurdisch geprägten Istanbuler Stadtteil Tarlabaşı wurde das gebührend gefeiert. 

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Dortmund-Dorstfeld: Vom Hausbesetzer- zum Neonazi-Kiez?

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Dortmund war früher mal als Bierstadt und qualmendes Industrie-Loch bekannt. Heute schafft es die Stadt neben dem Dauerthema Fußball vor allem wegen seiner Neonazi-Szene in die Weltöffentlichkeit. Ein großer Teil dieser Neonazis wohnt im Stadtteil Dorstfeld. Sie selbst bezeichnen das Viertel gerne als Neonazi-Kiez und auch viele Medien zeichnen das Bild eines Stadtteils mit Führerbunker-Athmosphäre und einer No-Go-Area für Leute mit Verstand oder dunkler Hautfarbe. Was ist dran an Dortmund-Dorstfelds schlechtem Ruf?

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Hat Erdogan gerade tausende Deutsch-Türken mit einer Wahlkampf-SMS gestalkt?

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Längst hat der türkische Wahlkampf für die am 7. Juni anstehenden Parlamentswahlen auch Deutschland erreicht. Am vergangenen Wochenende sprach der amtierende türkische Staatspräsident Recep Erdogan in Karlsruhe und versuchte dabei mehr oder weniger direkt, auch die 1,5 Millionen türkischen Staatsbürger mit deutschem Wohnsitz für die Wahl seiner regierenden Partei AKP zu gewinnen. Doch bei einer Rede muss es mit den Mobilisierungsbemühungen ja nicht unbedingt bleiben.

Seit gestern kursiert in deutschen Handynetzen eine Massen-SMS, die zur Wahl der AKP aufruft. Das Problem: Bisher ist kein Empfänger bekannt, der seine Nummern hierfür bei offiziellen Stellen hinterlassen hat. Stattdessen beschweren sich in sozialen Netzwerke zahlreiche Nutzer über die ungebetene Nachricht und fragen sich woher der Absender ihre Telefonnummern hat? Sollte tatsächlich die Regierungspartei für die SMS verantwortlich sein, so wäre das nicht nur ein 140-Zeichen-langer Stalk; je nach den genaueren Umständen, die in den nächsten Tagen bekannt werden könnten, wäre es durchaus denkbar, dass sich die Aktion zu einem nicht zu verachtenden Datenschutzskandal ausweitet.

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Rechte Hools haben in Wuppertal einen Antifaschisten ins Koma gestochen

Veröffentlicht in VICE.

Samstagnacht vor zwei Wochen, gegen 1 Uhr. Drei Männer tauchen vor dem Wuppertaler Autonomen Zentrum auf und provozieren die Besucher mit HoGeSa-Sprüchen. Wenig später kommt es zum Angriff: Einer der Männer sticht einem 53-jährigen AZ-Besucher mehrfach in den Rücken und verletzt ihn lebensgefährlich. Selbst zwei Wochen später liegt das Opfer nach nur einer kurzen Unterbrechung im künstlichen Koma. Nachdem die Täter erst unerkannt abhauen konnten, sitzt einer von ihnen mittlerweile in Untersuchungshaft.

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Auch im Nahen Osten gibt es verdammt gutes Craft Beer

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Die kleine Stadt Bathroun an der libanesischen Mittelmeerküste ist ein Hotspot für Surfer und Freunde des gepflegten Nachtlebens. Seit letztem Sommer braut Jamil Haddad hier nur einen Steinwurf vom Meer entfernt verdammt leckeres Craft Beer.

Als Jamil mich vor seiner Brauerei begrüßt, lautet seine erste Frage: „Willst du ein Bier?“ Bei einem tschechischen Lager erzählt er mir, wie er seine Liebe zum Bier zu einem Fulltime-Job gemacht hat.

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